Wann ist jemand ein Rohköstler? Wann ist jemand ein Veganer?

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Häufig fragen sich Menschen, die sich mit gesunder Ernährung beschäftigen: Wie viel Prozent Rohkost sind sinnvoll oder umsetzbar? Wann darf ich mich als bezeichnen? Was ist mit Rückfällen zur Kochkunst? Wie geht man damit um? Sollte man sich ein schlechtes Gewissen machen? Wo man doch weiß, dass Rohkost eine unwiderlegbare Wahrheit ist und man auch die positiven Veränderungen am eigenen Körper gespürt hat.

Wenn selbst prominente Rohköstler, wie Victoria Boutenko, eingestehen, dass sie sich nicht zu 100% von Rohkost ernähren, warum sollten wir dann ein Problem damit haben?

Und trotzdem bin ich mir relativ sicher, dass die meisten ein Problem damit haben. Warum ist das so? Die Frage kann ich leider auch nicht beantworten, aber ich vermute, dass besonders Menschen sich ein „schlechtes Gewissen“ machen, die auch in anderen Bereichen im Leben sehr hohe Anforderungen an sich stellen und zur Perfektion neigen. Perfektion und der Vergleich mit anderen kann wiederum sehr negative Seiten haben, denn es wird immer Menschen geben, die schöner, reicher, disziplinierter, erfolgreicher, spiritueller, einen höheren Rohkost-Anteil praktizieren usw.

Mit solchen Vergleichen setzen wir uns sehr stark unter Druck, dieser Druck erzeugt Unzufriedenheit bis hin zur Depression und wirkt sich auch übersäurend und somit gesundheitsschädigend auf unseren Körper aus.

Ich habe leider auch kein Patentrezept, wie man 100% Rohkost einfach durchziehen kann und wie man sich bei Ausnahmen kein schlechtes Gewissen machen soll.

Der Punkt ist doch, dass mit einem sehr hohen Rohkost-Anteil von 70, 80 oder 90% gesundheitliche Probleme früher oder später der Vergangenheit angehören werden. Mit den restlichen Prozent, also einer reinen Rohkost-Ernährung können wir das Maximum in Bezug auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit aber vor allem Spiritualität erlangen. Mit Spiritualität meine ich eine besonders feine Wahrnehmungsgabe um Schwingungen aufzunehmen, die den meisten Menschen, weil sie zu abgestumpft sind, nicht bekannt sind, dazu zählt für mich vor allem die Liebe zur Natur und die Achtung vor anderen Mitgeschöpfen, sei es eine Fliege, ein Hund oder eine Kuh.

Ich habe einige Menschen kennengelernt, die mit dieser Sensibilität in unserer Gesellschaft und unserem Wertesystem nicht klar gekommen sind und darunter gelitten haben, dass andere Menschen diese Sichtweise nicht Mal zu einem Bruchteil auch spüren konnten. Es gibt also viele Gründe, warum jemand keine 100% umsetzen kann oder will.

Ab wie viel Prozent darf ich mich als Rohköstler bezeichnen? Benötigen wir den Begriff „Rohköstler“ überhaupt? Es ist im Grunde genommen eine weitere Schublade oder Kategorisierung. Den Alles-Esser bezeichnen wir auch nicht als „Tier-Eiweiß-Esser“ nur weil 70% seiner Ernährung tierischen Ursprung hat. Die Ernährung ist nur ein Bereich unseres Lebens, natürlich einer der wichtigsten. Denn die stärksten beiden Triebe sind der Selbsterhaltungs-Trieb (Essen ist hier neben Luft und Wasser elementar) und der Fortpflanzungstrieb (den wir als Menschen allerdings kontrollieren können 😉

Diese Einteilungen und Schubladen haben viel damit zu tun sich einer Gruppe oder einer Denkrichtung zugehörig zu fühlen, bei einer von der Rohkost-Ernährung kommt vielleicht der Gedanke sich dieser Gruppe nicht mehr zugehörig zu fühlen.

Vielleicht sollte man einen anderen Begriff finden für die „Lebensweise eines Rohköstlers“? Ich habe allerdings auch keine Idee. Genau so verhält es sich mit dem Veganismus. Ich vermute Mal, dass die meisten Rohköstler der vegetarischen oder sogar der veganen Lebensweise folgen, weil sie aus ethischen Gründen nicht für Tierleid verantwortlich sein möchten. Viele sind vom Vegetarismus über den Veganismus zur Rohkost gekommen. Und eben diese Sensibilität, die mit dieser Ernährung einhergeht macht es uns schwierig tierische Produkte zu verzehren, denn vermutlich liegt eine stärkere Verbindung zu den Tieren vor als beim „Normalesser“.

Hier haben wir dasselbe Problem. Wann ist jemand ein oder darf sich als solcher bezeichnen? Ist jemand schon kein , weil er Honig isst oder noch Lederschuhe trägt? Oder ist jemand auch ein , wenn er nur ein Mal im Monat Joghurt, Käse oder Butter isst? Wenn jemand mit 80 oder 90% Rohkost-Anteil ein Rohköstler ist, dann sollte doch auch jemand, der zu 90+x% tierfrei lebt und isst sich aus als bezeichnen können? Man kann sich darüber streiten. Eventuell machen auch die Kategorisierungen keinen Sinn oder entmutigen nur, denn es gibt vielleicht jemand vorzeitig auf, nur weil er meint die 100% nicht zu schaffen. Wem ist damit gedient?

Ein Lebensstil mit 6 veganen Tagen in der Woche würde in Deutschland 68 Mio Veganern (bei 80 Mio. Einwohnern) entsprechen! Freue mich auf Eure Meinung zu dem Thema, vielleicht finden wir ja gemeinsam eine Antwort auf die obigen Fragen?!

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12 Antworten auf Wann ist jemand ein Rohköstler? Wann ist jemand ein Veganer?

  1. Patrick sagt:

    Hallo,

    Danke für deinen interessanten Beitrag und die kritischen Fragen, die du damit aufwirfst.

    Ich bin über „Stopp! Die Umkehr des Alterungsprozesses“ zum „Veganer“ und über die grünen Smoothie zum „Rohköstler“ geworden, um bei den eingeführten Begriffen zu bleiben und habe damit nicht den von dir vorgezeichneten Weg genommen 😉
    Meine Weg zur Spiritualität habe ich auch nicht erst durch die Ernährungsumstellung begonnen, sondern bereits ein paar Jahre davor.
    So unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedliche sind ihre Einstellungen zum Essen und zum Leben allgemein.

    Ich persönlich verwende gar keine Bezeichnung für meine Ernährungsweise, weil ich darin keinen Vorteil erkennen kann. Hinter jeden Bezeichnung steht eine Ideologie, eine Gruppe, ein Bewusstsein. Ich identifiziere mich jedoch nicht mit einer bestimmten Ideologie, sondern mit meiner ganz eigenen. Wie sollte ich mich denn auch einordnen, wenn ich hin und wieder mal was nicht rohes esse oder gar ein tierisches Produkt.
    Wenn mich jemand fragt was ich esse, sage ich einfach „primär Rohkost“. Damit spare ich mir den „Druck“, was ich essen darf und was nicht. Jede Einschränkung bedeutet einen Verlust an Lebensqualität. Ich esse Fleisch nicht mehr, weil ich es nicht darf, sondern weil ich keinen Bedarf mehr danach habe. Sollte ich doch mal Lust danach haben, ess ich es hald – ohne schlechtes Gewissen.

    Meiner Meinung nach schadet jede Einschränkung (mit dadurch entstehenden Druck und Schuldgefühle) der Erreichung seines Ziels mehr, als eine etwaige „Abweichung“ von Plan.
    Das darf und soll kein Freifahrtschein sein, denn man jeden Tag nutzen kann. Wenn man sich kleine Ziele setzt und z.B. seinen Rohkostanteil kontinuierlich steigert, schwindet auch die Lust auf Gekochtes. Wer jedoch mit Zwang von einen Tag auf den anderen Umstellen will, wird sicher mehr Schwierigkeiten haben.

    Ein abschließende Frage möchte ich noch aufwerfen. Warum brauchen wir diese Bezeichnungen „Veganer“, „Rohköstler“, etc. überhaupt. Um anderen Menschen mitzuteilen wie wir uns ernähren, auch wenn es nicht 100% stimmt, weil es
    a.) wie du bereits erwähnt hast, keine genau Einteilung gibt und
    b.) sie sowie so (fast) keiner 100% erfüllen würde?
    Oder verwenden wir sie einfach, um uns von den „anderen“ abzugrenzen?

    • Simon sagt:

      Hallo Patrick,
      danke für Deine Antwort! „Primär Rohkost“ gefällt mir, ohne Rechtfertigung, ohne Prozentangaben…
      Bin auch der Meinung, dass wir das „Schubladen-Denken“ aufgeben sollten, es ist vermutlich anfangs hilfreich um sich abzugrenzen, aber dann schadet es vermutlich mehr als das es einen Nutzen hat. Und nur um „sich abzugrenzen“ ist auch kein stichhaltiges Argument. Und natürlich hast Du Recht, dass es viele „Wege zum Ziel“ gibt und „Vegetarier->Veganer->Rohköstler“ nur einer davon.
      Gruß
      Simon

      • Patrick sagt:

        Hallo Simon,
        es gibt nur eine Autorität vor der ich mich rechtfertigen muss und die bin ich selbst 😀

        Ich dachte beim Abgrenzen mehr in die Richtung: „Ich bin Veganer, ich bin besser als ein Fleischesser“ – so etwas soll es möglicherweise auch geben 😉
        Ich finde man sollte die Essgewohnheiten andere Mensch respektieren und sie nicht dafür verurteilen, nur weil man selbst einen anderen Weg eingeschlagen hat. Schließlich will man doch auch, dass seine eigenen Essgewohnheiten akzeptiert werden.

        mfg Patrick

  2. OneBBO sagt:

    Das Problem ist nicht der Begriff „Rohkost“ oder „Rohköstler“, sondern die Wertung, die damit verbunden ist. Begriffe sind wichtig, sonst können wir die Sprache gleich lassen und nur noch Laute vor uns hinbabbeln. Jeder hat eine ungefähre Vorstellung davon, wenn ich sage „Ich bin Rohköstler“ (ich bin’s übrigens nicht ). Wenn ich aber sage „ich esse, wir alle essen“, was soll das dann? Der Mensch interagiert über Sprache, und Begriffe müssen präzise gefasst sein, sonst gibt es keine Kommunikation.

    Das Problem ist nicht so sehr, ob jemand 100% Rohköstler ist oder nicht – sondern ob jemand, der es 100% macht, glaubt, er ist der bessere Mensch. Und umgekehrt, ein 90%iger glaubt, er ist der schlechtere.

    Und mit dem letzten Absatz halte ich es mit Barbara Rütting, die so schön sagte: Der Welt ist mehr geholfen, wenn wir 1000 Menschen dazu bringen, 10 % weniger Fleisch zu essen, alles einen Menschen zum Vegetarismus zu bekehren.

  3. Hanna sagt:

    Hallo,

    ich denke dass diese ganze „Betitelungsgeschichte“ sowieso übertrieben oder überbewertet wird, ABER wenn man sich als etwas betitelt, dann doch nur wenn man es auch ist?!

    Ich würde nie auf die Idee kommen mich Veganer zu nennen wenn ich einmal im Monat z.B. Käse konsumiere.
    Vegan heißt nunmal keine tierischen Produkte zu konsumieren (sei es jetzt Honig – oder Lederschuhe).

    Genauso sehe ich das bei der Rohkost. Ich ernähre mich zur Zeit auch zu 95% von Rohkost, würde aber nicht behaupten in bin Rohköstler….

    Primär Rokost find ich aber auch super 😉

    Liebe Grüße
    Hanna

    • Patrick sagt:

      Hi,

      Wie würdest du dann jemanden nennen, der einmal im Monat Käse ist, aber sonst vegan? Oder wenn er immer vegan ist, aber Lederschuhe trägt?
      Für mich wäre die Person ein Veganer.

      Die nächste Frage ist: Wo ist festgelegt, was man für den Titel braucht? Gibt es da ein allgemeingültiges, anerkanntes Richtwerk? Wenn nein, dann ist es sowieso egal, weil eh jeder was anderes darunter versteht.

      Also ich bleib bei meiner Meinung, dass die „Betitelungsgeschichte“ nix bringt 😉

      mfg Patrick

      • Hanna sagt:

        hm dann kommen wir in die „haarspalterei“.
        ein veganer der lederschuhe trägt.. dann ISST er vegan aber er IST eben kein veganer würd ich sagen…

        aber ich kann dir zustimmen dass diese ganze betitelungsgeschichte nix bringt (hab ich ja oben auch schon so ähnlich geschrieben bzw ausdrücken wollen)

        lg Hanna

  4. Tosco sagt:

    Hey Mr. B, du wohnst ja in der Nähe von Linsengericht – wie ist der Name denn zustande gekommen? Und was bitte soll ein Eidengesäß sein? Oder muss das richtig Eisengefäß heißen?
    Letzte Frage für heute: Ist dir schon mal der Name Lou Corona über den Bildschirm geflimmert?
    http://www.youtube.com/watch?v=5P6KyqLr6z8

  5. Simon sagt:

    Hi Tosco,

    keine Ahnung woher der Name Linsengericht stammt 😉
    Wir haben auch einen Ort der „Lieblos“ heißt hier in der Nähe!
    Den Typ aus dem Video habe ich schon öfters gesehen.

    Gruß
    Simon

  6. Aljoscha sagt:

    Hallo Patrick,

    ich kann mich vollkommen mit dem indentifizieren was du sagst.

    Ich kenne das schlechte Gefühl aus eigener Erfahrung, weil ich mich letztes Jahr darum gequält habe umbedingt 100% Rohköstler zu werden und auch nicht wusste, ob ich mich einen Rohköstler nennen darf, wenn ich denn nun ab und zu einen Kaffe trinke oder nicht…
    wenn man mich in eine Schublade schieben will bin ich wohl nun sowas wie ein veganer-Rohköstler mit Schwerpunkt auf Rohkost oder „primär Rohköstler“ wie du es so schön fomuliert hast. 🙂

    Ich hab auch angefangen meine Ernährung nun viel lockerer zu sehen als noch letztes Jahr, aber dank Menschen wie dir merkt man, dass das Leben mehr als ein großes Spiel verstanden werden sollte (und in Spielen will man Spaß haben) und man sich nicht durch schlechte Gedanken selbst zerfressen sollte.
    Ich meine, wenn man logisch drüber nachdenkt und ein Mensch der sich vorher kaputt gegessen hat nun 20 Prozent tierische Nahrung durch pflanzliche Nahrung ersetzt, so hat dieder Mensch nicht die anderen 80 Prozent tieriesche Nahrung in seiner Nahrung nicht „ausgemerzt“, sondern sein Leben schon dahingehend positv verändert, dass er nun 20 Prozent weniger tierische Produkte ist und hoffentlich weniger beschwerden hat.

    Wozu ich die Leute immer motvieren will ist, nehmt euch selbst und andere nicht zu ernst und verurteilt nicht, ach ja und lebt den Moment^^

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